48 – Die Ordnung für Handarbeit und Lesung

wird gelesen am:
28. März
28. Juli
27. November

  1. Müßiggang ist der Seele Feind.
    Deshalb sollen die Brüder
    zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit,
    zu bestimmten Stunden
    mit heiliger Lesung beschäftigt sein.
  2. Und so meinen wir, durch folgende Verfügung
    die Zeit für beides ordnen zu können:
  3. Von Ostern bis zum 1. Oktober
    verrichten sie morgens nach der Prim
    bis ungefähr zur vierten Stunde
    die notwendigen Arbeiten.
  4. Von der vierten Stunde aber bis zur Sext
    sollen sie frei sein für die Lesung.
  5. Nach der Sext und der Mahlzeit
    sollen sie unter völligem Schweigen auf ihren Betten ruhen.
    Will aber einer für sich lesen,
    dann lese er so, dass er keinen anderen stört.
  6. Die Non werde früher gehalten,
    zur Mitte der achten Stunde;
    dann gehen sie bis zur Vesper wieder an ihre Arbeit.
  7. Wenn es die Ortsverhältnisse oder die Armut fordern,
    dass sie die Ernte selber einbringen,
    sollen sie nicht traurig sein.
  8. Sie sind dann wirklich Mönche,
    wenn sie wie unsere Väter und die Apostel
    von ihrer Hände Arbeit leben.
  9. Alles aber geschehe der Kleinmütigen wegen maßvoll.

29. März
29. Juli
28. November

  1. Vom 1. Oktober bis zum Beginn der Fastenzeit
    sollen sie bis zum Ende der zweiten Stunde
    für die Lesung frei sein.
  2. Zur zweiten Stunde werde die Terz gehalten.
    Bis zur neunten Stunde verrichten alle die Arbeit,
    die ihnen aufgetragen ist.
  3. Beim ersten Zeichen zur Non breche jeder seine Arbeit ab,
    um bereit zu sein, wenn das zweite Zeichen gegeben wird.
  4. Nach dem Essen
    sollen sie für ihre Lesung oder für die Psalmen frei sein.
  5. In den Tagen der Fastenzeit aber sollen sie vom Morgen
    bis zum Ende der dritten Stunde für ihre Lesung frei sein.
    Dann verrichten sie bis zum Ende der zehnten Stunde,
    was ihnen aufgetragen wird.
  6. In diesen Tagen der Fastenzeit
    erhält jeder einen Band der Bibel,
    den er von Anfang bis Ende ganz lesen soll.
  7. Diese Bände werden zu Beginn der Fastenzeit ausgegeben.
  8. Vor allem aber bestimme man einen oder zwei Ältere,
    die zu den Stunden, da die Brüder für die Lesung frei sind,
    im Kloster umhergehen.
  9. Sie müssen darauf achten,
    ob sich etwa ein träger Bruder findet,
    der mit Müßiggang oder Geschwätz
    seine Zeit verschwendet,
    anstatt eifrig bei der Lesung zu sein;
    damit bringt einer nicht nur sich selbst um den Nutzen,
    sondern lenkt auch andere ab.
  10. Wird ein solcher, was ferne sei, ertappt,
    werde er einmal und ein zweites Mal zurechtgewiesen.
  11. Bessert er sich nicht,
    treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe so,
    dass die anderen sich fürchten.
  12. Überhaupt darf ein Bruder mit einem anderen
    nur in den vorgesehenen Stunden zusammensein.

30. März
30. Juli
29. November

  1. Am Sonntag sollen ebenfalls alle für die Lesung frei sein
    außer jenen, die für verschiedene Dienste eingeteilt sind.
  2. Ist aber einer so nachlässig und träge,
    dass er nicht willens oder nicht fähig ist,
    etwas zu lernen oder zu lesen,
    trage man ihm eine Tätigkeit auf, damit er nicht müßig ist.
  3. Kranken oder empfindlichen Brüdern
    werde eine passende Beschäftigung
    oder ein geeignetes Handwerk zugewiesen;
    sie sollen nicht müßig ein,
    aber auch nicht durch allzu große Last der Arbeit erdrückt
    oder sogar fortgetrieben werden.
  4. Der Abt muss auf ihre Schwäche Rücksicht nehmen.

Benedikt will seine Gemeinschaft nicht als Versammlung von „Betbrüdern“ verstehen. Das war damals recht neu. Sein Brüder sollen, wie die Apostel, von ihrer eigenen Arbeit leben können und sich nicht von Anderen aushalten lassen. Die Früchte ihrer Arbeit, die sie selber nicht benötigen, sollen den Armen zugutekommen.

Tipp: Wer mehr hat als er braucht, kann den überflüssigen Teil Armen spenden. Das befreit. Beide.