53 – Die Aufnahme der Gäste

wird gelesen am:
04. April
04. August
04. Dezember

  1. Alle Fremden, die kommen,
    sollen aufgenommen werden wie Christus;
    denn er wird sagen:
    „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“
  2. Allen erweise man die angemessene Ehre,
    besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.
  3. Sobald ein Gast gemeldet wird,
    sollen ihm daher der Obere und die Brüder
    voll dienstbereiter Liebe entgegeneilen.
  4. Zuerst sollen sie miteinander beten
    und dann als Zeichen der Gemeinschaft
    den Friedenskuss austauschen.
  5. Diesen Friedenskuss darf man wegen der Täuschungen
    des Teufels erst nach dem Gebet geben.
  6. Allen Gästen begegne man
    bei der Begrüßung und beim Abschied in tiefster Demut:
  7. man verneige sich, werfe sich ganz zu Boden
    und verehre so in ihnen Christus,
    der in Wahrheit aufgenommen wird.
  8. Hat man die Gäste aufgenommen,
    nehme man sie mit zum Gebet;
    dann setze sich der Obere zu ihnen
    oder ein Bruder, dem er es aufträgt.
  9. Man lese dem Gast die Weisung Gottes vor,
    um ihn im Glauben zu erbauen;
    dann nehme man sich mit aller Aufmerksamkeit
    gastfreundlich seiner an.
  10. Das Fasten breche der Obere dem Gast zuliebe,
    nur nicht an einem allgemein vorgeschriebenen Fasttag,
    der eingehalten werden muss.
  11. Die Brüder aber fasten wie gewohnt.
  12. Der Abt gieße den Gästen Wasser über die Hände;
  13. Abt und Brüder zusammen sollen allen Gästen
    die Füße waschen.
  14. Nach der Fußwaschung beten sie den Psalmvers:
    „Wir haben, o Gott, deine Barmherzigkeit aufgenommen
    inmitten deines Tempels.“
  15. Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Pilgern
    zeige man Eifer und Sorge,
    denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen.
    Das Auftreten der Reichen
    verschafft sich ja von selbst Beachtung.

05. April
05. August
05. Dezember

  1. Abt und Gäste sollen eine eigene Küche haben;
    so stören Gäste, die unvorhergesehen kommen
    und dem Kloster nie fehlen, die Brüder nicht.
  2. Diese Küche übernehmen für je ein Jahr zwei Brüder,
    die für diesen Dienst gut geeignet sind.
  3. Sooft sie es brauchen, gebe man ihnen Hilfen,
    damit sie ohne Murren dienen;
    sind sie jedoch zu wenig beschäftigt,
    sollen sie zu der Arbeit gehen, die man ihnen aufträgt.
  4. Doch nicht nur hier,
    sondern für alle Aufgabenbereiche im Kloster
    gelte der Grundsatz:
  5. Wer Hilfe braucht, soll sie erhalten;
    wer jedoch frei ist, übernehme gehorsam jeden Auftrag.
  6. Die Unterkunft für die Gäste
    vertraue man einem Bruder an,
    der von Gottesfurcht ganz durchdrungen ist.
  7. Dort sollen genügend Betten bereitstehen.
    Das Haus Gottes
    soll von Weisen auch weise verwaltet werden.
  8. Mit den Gästen darf niemand
    ohne Auftrag zusammensein
    oder sprechen.
  9. Wer ihnen begegnet oder sie sieht,
    grüße sie, wie schon gesagt, in Demut,
    bitte um den Segen
    und gehe weiter mit der Bemerkung,
    es sei ihm nicht gestattet,
    sich mit einem Gast zu unterhalten.

Es wird gut auf die Gäste geschaut. Man begegnet ihnen in Ehrfurcht und Demut, tauscht den Friedenskuss, wäscht ihnen die Füße, betet gemeinsam und der Abt bricht sogar sein Fasten mit ihnen. Denn mit Gästen ist Jesus selbst zu gast. In den Gästen begegnet immer der Nächste, der uns gerade braucht. Und so sind die Mönche dankbar, dass sie Jesus selbst helfen dürfen.

Tipp: Gastfreundschaft kann anstrengend sein. Aber Gäste können immer auch eine Bereicherung sein, weil sie immer auch etwas Neues mitbringen, etwas unbekanntes, das man erfahren und erlernen kann.