55 – Kleidung und Schuhe der Brüder

wird gelesen am:
07. April
07. August
07. Dezember

  1. Die Kleidung, welche die Brüder erhalten,
    soll der Lage und dem Klima ihres Wohnortes entsprechen;
  2. denn in kalten Gegenden braucht man mehr,
    in warmen weniger.
  3. Darauf zu achten ist Aufgabe des Abtes.
  4. Unserer Meinung nach genügen
    in Gegenden mit gemäßigtem Klima
    für jeden Mönch Kukulle und Tunika,
  5. die Kukulle im Winter wollig,
    im Sommer leicht oder abgetragen,
  6. für die Arbeit ein Überwurf
    und als Fußbekleidung Socken und Schuhe.
  7. Über Farbe oder groben Stoff dieser Kleidungsstücke
    sollen sich die Mönche nicht beschweren;
    man nehme alles so,
    wie es sich in der Gegend, wo sie wohnen, findet,
    oder was man billiger kaufen kann.
  8. Der Abt sorge aber für das rechte Maß,
    dass die Kleider nicht zu kurz sind,
    sondern denen, die sie tragen, passen.
  9. Bekommen sie etwas neues,
    geben sie das Alte immer gleich ab;
    es wird in der Kleiderkammer für die Armen aufbewahrt.
  10. Für einen Mönch genügen zwei Tuniken
    und zwei Kukullen;
    so kann er zur Nacht und zum Waschen
    die Kleider wechseln.
  11. Was aber darüber hinausgeht, ist überflüssig
    und muss entfernt werden.
  12. Ebenso gibt man die Socken und alles Abgetragene ab,
    wenn man Neues bekommt.
  13. Wer auf Reisen geschickt wird,
    erhält Hosen aus der Kleiderkammer;
    nach der Rückkehr gibt er sie gewaschen dort wieder ab.
  14. Kukulle und Tunika,
    die er für die reise aus der Kleiderkammer erhält
    und nach der Rückkehr zurückzugeben hat,
    seien ein wenig besser, als man sie für gewöhnlich trägt.

08. April
08. August
08. Dezember

  1. Als Bettzeug
    genügen Matte, Tuch, Decke und Kopfkissen.
  2. Der Abt durchsuche häufig die Betten,
    ob sich dort nicht Eigenbesitz finde.
  3. Wenn sich bei einem etwas findet,
    das er nicht vom Abt bekommen hat,
    treffe ihn strengste Strafe.
  4. Um dieses Laster des Eigenbesitzes
    mit der Wurzel auszurotten,
    muss der Abt alles Notwendige geben:
  5. Kukulle, Tunika, Socken, Schuhe, Gürtel, Messer,
    Griffel, Nadel, Tuch, Schreibtafel;
    so kann sich keiner damit entschuldigen,
    es habe ihm etwas Notwendiges gefehlt.
  6. Der Abt erwäge aber immer
    jenen Satz der Apostelgeschichte:
    „Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“
  7. So berücksichtige der Abt die Schwäche der Bedürftigen,
    nicht die Missgunst der Neider.
  8. Doch bei allen seinen Entscheidungen
    denke er an die Vergeltung Gottes.

Das kennt man ja: Mönche sollen in Armut leben, das ist nichts Neues. Diese Armut, bzw. in diesem Fall das wenige Gewand, soll aber keine Strafe sein. Sonst würde Benedikt am Ende vom Kapitel nicht schreiben, dass man dem der mehr braucht auch mehr geben soll. Der Verzicht auf den Überfluss soll den Blick auf das Notwendige lenken. Wenn ich mich weniger mit meinen Sachen beschäftige, kann ich mich mehr anderen widmen.

Tipp: Sei dir über deine eigenen Ansprüche und Wünsche im klaren: Wenn du dir immer mehr wünschst, kann man die Wünsche irgendwann nicht mehr erfüllen...