61 – Die Aufnahme fremder Mönche

wird gelesen am:
15. April
15. August
15. Dezember

  1. Es kann sein, dass ein fremder Mönch von weither kommt
    und als Gast im Kloster bleiben möchte.
  2. Wenn er mit der Lebensweise, die er dort antrifft,
    zufrieden ist
    und nicht etwa durch übertriebene Ansprüche
    Verwirrung ins Kloster bringt,
  3. sondern sich ohne Umstände
    mit dem, was er vorfindet, begnügt,
    nehme man ihn auf, und er bleibe, solange er will.
  4. Sollte er in Demut und Liebe eine begründete Kritik äußern
    oder auf etwas aufmerksam machen,
    so erwäge der Abt klug,
    ob ihn der Herr nicht vielleicht gerade deshalb
    geschickt hat.
  5. Will er sich aber zur Beständigkeit verpflichten,
    weise man einen solchen Wunsch nicht zurück;
    man konnte ja seine Lebensführung kennenlernen,
    solange er Gast war.
  6. Erweist er sich aber in der Zeit seines Aufenthaltes
    als anspruchsvoll und mit vielen Fehlern behaftet,
    muss man ihm nicht nur die Aufnahme
    in die klösterliche Gemeinschaft verweigern,
  7. sondern man sage ihm zudem höflich, er solle gehen,
    damit nicht durch seinen beklagenswerten Zustand
    auch noch andere verdorben werden.
  8. Verdient er es jedoch nicht, weggeschickt zu werden,
    nehme man ihn nicht erst auf seine eigene Bitte hin
    als Glied der Gemeinschaft auf,
  9. sondern lege ihm das Bleiben sogar nahe,
    damit andere von seinem Beispiel lernen.
  10. Wir dienen doch überall dem einen Herrn
    und kämpfen für den einen König.

16. April
16. August
16. Dezember

  1. Hat der Abt einen solchen Mönch als vorbildlich erkannt,
    darf er ihm einen etwas höheren Platz zuweisen.
  2. Kommt der Abt bei Priestern und Klerikern,
    wie schon gesagt wurde, zu einem ähnlichen Urteil,
    darf er nicht nur einen Mönch, sondern auch sie
    an einen höheren Platz stellen,
    als es ihrem Eintritt entspricht.
  3. Der Abt hüte sich aber,
    jemals einen Mönch aus einem anderen bekannten Kloster
    ohne Einwilligung
    oder Empfehlungsschreiben seines Abtes
    in sein Kloster aufzunehmen,
  4. steht doch geschrieben:
    „Was du selbst nicht erleiden willst,
    das tu auch keinem anderen an!“

Der Blick von außen kann gut tun. Ist ein Mönch aus einem anderen Kloster zu Gast und bietet seine Kritik an, so soll der Abt gut darauf hören und sich etwaige Vorschläge zu Herzen nehmen. Denn wenn er immer nur das eigene Kloster und die eigene Gemeinschaft sieht, bleiben positive Impulse vor ihm verborgen.

Tipp: Wenn dich jemand kritisiert, ist das vermutlich oft schmerzlich. Vielleicht steckt aber hinter dieser Kritik keine böse Absicht, sondern ein guter Rat. Man muss sich nicht alles zu Herzen nehmen, sollte sich aber das eine oder andere durch den Kopf gehen lassen.