Archiv der Kategorie: Benediktsregel

Die Benediktsregel mit Erklärung und Tipps. Der Reihe nach oder das aktuellste Kapitel zuerst.

62 – Die Priester des Klosters

wird gelesen am:
17. April
17. August
17. Dezember

  1. Wenn ein Abt die Weihe eines Priesters
    oder Diakons erbitten will,
    so wähle er aus seinen Mönchen einen aus,
    der würdig ist, den priesterlichen Dienst auszuüben.
  2. Der Geweihte aber hüte sich vor Überheblichkeit und Stolz.
  3. Er nehme sich nicht heraus
    und handle nie ohne Auftrag des Abtes.
    Er weiß ja,
    dass gerade er sich der Zucht der Regel zu fügen hat.
  4. Das Priesteramt sei ihm kein Anlass,
    den Gehorsam und die Ordnung der Regel zu vergessen,
    sondern er schreite mehr und mehr auf Gott zu.
  5. Er nimmt stets den Platz ein,
    der seinem Eintritt ins Kloster entspricht,
  6. außer beim Dienst am Altar
    oder wenn ihn die Wahl der Gemeinschaft
    und der Wille des Abtes
    an einen höheren Platz stellen,
    weil seine Lebensführung es verdient.
  7. Doch wisse er, dass auch er sich
    an die Ordnung zu halten hat,
    die für Dekane und Prioren gilt.
  8. Nimmt er sich heraus, anders zu handeln,
    gelte er nicht mehr als Priester, sondern als Aufrührer.
  9. Und ändert er sich trotz wiederholter Ermahnung nicht,
    so ziehe man noch den Bischof als Zeugen hinzu.
  10. Wenn er sich auch dann nicht bessert
    und seine Schuld klar zutage liegt,
    werde er aus dem Kloster gewiesen,
  11. doch nur, wenn er so widerspenstig ist,
    dass er sich nicht unterordnen
    und der Regel nicht gehorchen will.

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61 – Die Aufnahme fremder Mönche

wird gelesen am:
15. April
15. August
15. Dezember

  1. Es kann sein, dass ein fremder Mönch von weither kommt
    und als Gast im Kloster bleiben möchte.
  2. Wenn er mit der Lebensweise, die er dort antrifft,
    zufrieden ist
    und nicht etwa durch übertriebene Ansprüche
    Verwirrung ins Kloster bringt,
  3. sondern sich ohne Umstände
    mit dem, was er vorfindet, begnügt,
    nehme man ihn auf, und er bleibe, solange er will.
  4. Sollte er in Demut und Liebe eine begründete Kritik äußern
    oder auf etwas aufmerksam machen,
    so erwäge der Abt klug,
    ob ihn der Herr nicht vielleicht gerade deshalb
    geschickt hat.
  5. Will er sich aber zur Beständigkeit verpflichten,
    weise man einen solchen Wunsch nicht zurück;
    man konnte ja seine Lebensführung kennenlernen,
    solange er Gast war.
  6. Erweist er sich aber in der Zeit seines Aufenthaltes
    als anspruchsvoll und mit vielen Fehlern behaftet,
    muss man ihm nicht nur die Aufnahme
    in die klösterliche Gemeinschaft verweigern,
  7. sondern man sage ihm zudem höflich, er solle gehen,
    damit nicht durch seinen beklagenswerten Zustand
    auch noch andere verdorben werden.
  8. Verdient er es jedoch nicht, weggeschickt zu werden,
    nehme man ihn nicht erst auf seine eigene Bitte hin
    als Glied der Gemeinschaft auf,
  9. sondern lege ihm das Bleiben sogar nahe,
    damit andere von seinem Beispiel lernen.
  10. Wir dienen doch überall dem einen Herrn
    und kämpfen für den einen König.

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60 – Die Aufnahme von Priestern

wird gelesen am:
14. April
14. August
14. Dezember

  1. Wenn einer aus dem Priesterstand
    um Aufnahme in das Kloster bittet,
    so stimme man nicht gleich zu.
  2. Beharrt er trotzdem fest auf seiner Bitte, so muss er wissen,
    dass er die Regel in ihrer ganzen Strenge zu halten hat.
  3. Nichts wird ihm erleichtert,
    es gelte das Wort der Schrift:
    „Freund, wozu bist du gekommen?“
  4. Man gestatte ihm allerdings,
    seinen Platz gleich nach dem Abt zu haben,
    den Segen zu sprechen
    und den Gottesdienst zu halten,
    aber nur, wenn der Abt ihn beauftragt.
  5. Sonst nehme er sich nichts heraus;
    er weiß ja, dass er der Zucht der Regel unterworfen ist,
    und mehr als andere gebe er allen ein Beispiel der Demut.
  6. Wenn es um die Besetzung eines Amtes
    oder eine andere Angelegenheit im Kloster geht,
  7. nimmt er den Platz ein,
    der seinem Eintritt ins Kloster entspricht,
    nicht jenen, der ihm sonst
    aus Ehrfurcht vor dem Priestertum
    eingeräumt wird.
  8. Wenn Kleriker das gleiche Verlangen haben
    und sich dem Kloster anschließen möchten,
    weist man ihnen einen mittleren Platz zu,
  9. aber nur dann, wenn sie die Beobachtung der Regel
    und Beständigkeit versprechen.

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59 – Die Aufnahme von Kindern

wird gelesen am:
13. April
13. August
13. Dezember

  1. Wenn etwa ein vornehmer Mann
    seinen Sohn Gott im Kloster darbringen will
    und dieser noch ein Kind ist,
    dann stellen die Eltern die oben erwähnte Urkunde aus.
  2. Zusammen mit einer Opfergabe wickeln sie
    diese Urkunde und die Hand des Knaben in das Altartuch
    und bringen ihn so dar.
  3. Was ihr Vermögen angeht,
    so sollen sie in der vorliegenden Urkunde
    unter Eid versprechen,
    dass sie niemals selbst,
    auch nie durch eine vorgeschobene Person
    noch auf irgendeine andere Weise
    dem Knaben etwas schenken
    oder ihm die Möglichkeit bieten, etwas zu besitzen.
  4. Sind sie jedoch damit nicht zufrieden,
    sondern möchten etwas Gutes tun,
    können sie dem Kloster eine Spende anbieten.
  5. Was sie geben wollen,
    das sollen sie dem Kloster als Schenkung vermachen.
    Wenn sie es wünschen,
    können sie sich die Nutznießung vorbehalten.
  6. Auf diese Weise werde allem vorgebeugt,
    so dass dem Knaben keine Aussicht bleibt,
    die ihn betören und verderben könnte, was ferne sei.
    Wir kennen das aus Erfahrung.
  7. Entsprechend sollen es auch Ärmere halten.
  8. Wer aber gar nichts hat,
    stellt einfach die Urkunde aus
    und bringt in Gegenwart von Zeugen
    seinen Sohn zusammen mit der Opfergabe dar.

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58 – Die Ordnung bei der Aufnahme von Brüdern

wird gelesen am:
11. April
11. August
11. Dezember

  1. Kommt einer neu und will das klösterliche Leben beginnen,
    werde ihm der Eintritt nicht leicht gewährt,
  2. sondern man richte sich nach dem Wort des Apostels:
    „Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.“
  3. Wenn er also kommt und beharrlich klopft
    und es nach vier oder fünf Tagen klar ist,
    dass er die ihm zugefügte harte Behandlung
    sowie die Schwierigkeiten beim Eintritt geduldig erträgt,
    aber trotzdem auf seiner Bitte besteht,
  4. gestatte man ihm den Eintritt,
    und er halte sich einige Tage in der Unterkunft für die Gäste auf.
  5. Danach wohne er im Raum für die Novizen,
    wo sie lernen, essen und schlafen.
  6. Ein erfahrener Bruder werde für sie bestimmt,
    der geeignet isst, Menschen zu gewinnen,
    und der sich mit aller Sorgfalt ihrer annimmt.
  7. Man achte genau darauf,
    ob der Novize wirklich Gott sucht,
    ob er Eifer hat für den Gottesdienst,
    ob er willig ist zu gehorchen
    und ob er bereit ist, niedrige Arbeiten zu tun.
  8. Offen rede man mit ihm
    über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu Gott.
  9. Wenn er verspricht,
    beharrlich bei seiner Beständigkeit zu bleiben,
    lese man ihm nach Ablauf von zwei Monaten
    diese Regel von Anfang bis Ende vor
  10. und sage ihm: Siehe das Gesetz,
    unter dem du dienen willst;
    wenn du es beobachten kannst, tritt ein,
    wenn du es aber nicht kannst, geh in Freiheit fort.
  11. Wenn er nach immer bleiben will,
    dann führe man ihn
    in den oben erwähnten Raum der Novizen
    und prüfe ihn wieder in aller Geduld.
  12. Nach Ablauf von sechs Monaten
    lese man ihm die Regel vor:
    Er soll wissen, was der Eintritt für ihn bedeutet.
  13. Wenn er noch bei seinem Entschluss bleibt,
    liest man ihm nach vier Monaten dieselbe Regel wieder vor.
  14. Hat er es sich reiflich überlegt und verspricht er,
    alles zu beachten und sich an alles zu halten,
    was ihm aufgetragen wird,
    dann soll er in die Gemeinschaft aufgenommen werden.
  15. Doch muss er wissen, dass er,
    auch nach dem Gesetz der Regel,
    von diesem Tag an weder das Kloster verlassen
  16. noch das Joch der Regel
    von seinem Nacken abschütteln darf;
    er hatte ja lange genug Zeit zu überlegen,
    ob er es von sich weisen oder auf sich nehmen wolle.

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57 – Mönche als Handwerker

wird gelesen am:
10. April
10. August
10. Dezember

  1. Sind Handwerker im Kloster,
    können sie in aller Demut ihre Tätigkeit ausüben,
    wenn der Abt es erlaubt.
  2. Wird aber einer von ihnen überheblich,
    weil er sich auf sein berufliches Können etwas einbildet
    und meint, er bringe dem Kloster etwas ein,
  3. werde ihm seine Arbeit genommen.
    Er darf sie erst wieder aufnehmen, wenn er Demut zeigt
    und der Abt es ihm von neuem erlaubt.
  4. Wenn etwas von den Erzeugnissen der Handwerker
    verkauft wird,
    sollen jene, durch deren Hand die Waren veräußert werden,
    darauf achten, dass sie keinen Betrug begehen.
  5. Sie sollen immer an Hananias und Saphira denken,
    damit sie nicht etwa den Tod an der Seele erleiden,
    der jene am Leib traf.
  6. Das gilt ebenso für alle anderen,
    die mit dem Eigentum des Klosters unredlich umgehen.
  7. Bei der Festlegung der Preise
    darf sich das Übel der Habgier nicht einschleichen.
  8. Man verkaufe sogar immer etwas billiger,
    als es sonst außerhalb des Klosters möglich ist,
  9. damit in allem Gott verherrlicht werde.

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55 – Kleidung und Schuhe der Brüder

wird gelesen am:
07. April
07. August
07. Dezember

  1. Die Kleidung, welche die Brüder erhalten,
    soll der Lage und dem Klima ihres Wohnortes entsprechen;
  2. denn in kalten Gegenden braucht man mehr,
    in warmen weniger.
  3. Darauf zu achten ist Aufgabe des Abtes.
  4. Unserer Meinung nach genügen
    in Gegenden mit gemäßigtem Klima
    für jeden Mönch Kukulle und Tunika,
  5. die Kukulle im Winter wollig,
    im Sommer leicht oder abgetragen,
  6. für die Arbeit ein Überwurf
    und als Fußbekleidung Socken und Schuhe.
  7. Über Farbe oder groben Stoff dieser Kleidungsstücke
    sollen sich die Mönche nicht beschweren;
    man nehme alles so,
    wie es sich in der Gegend, wo sie wohnen, findet,
    oder was man billiger kaufen kann.
  8. Der Abt sorge aber für das rechte Maß,
    dass die Kleider nicht zu kurz sind,
    sondern denen, die sie tragen, passen.
  9. Bekommen sie etwas neues,
    geben sie das Alte immer gleich ab;
    es wird in der Kleiderkammer für die Armen aufbewahrt.
  10. Für einen Mönch genügen zwei Tuniken
    und zwei Kukullen;
    so kann er zur Nacht und zum Waschen
    die Kleider wechseln.
  11. Was aber darüber hinausgeht, ist überflüssig
    und muss entfernt werden.
  12. Ebenso gibt man die Socken und alles Abgetragene ab,
    wenn man Neues bekommt.
  13. Wer auf Reisen geschickt wird,
    erhält Hosen aus der Kleiderkammer;
    nach der Rückkehr gibt er sie gewaschen dort wieder ab.
  14. Kukulle und Tunika,
    die er für die reise aus der Kleiderkammer erhält
    und nach der Rückkehr zurückzugeben hat,
    seien ein wenig besser, als man sie für gewöhnlich trägt.

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54 – Die Annahme von Briefen und Geschenken

wird gelesen am:
06. April
06. August
06. Dezember

  1. Der Mönch darf keinesfalls ohne Weisung des Abtes
    von seinen Eltern oder irgend jemandem,
    auch nicht von einem anderen Mönch
    Briefe, Eulogien oder sonst kleine Geschenke
    annehmen oder geben.
  2. Selbst wenn seine Eltern ihm etwas geschickt haben,
    darf er sich nicht anmaßen, es anzunehmen,
    ehe der Abt benachrichtigt wurde.
  3. Hat der Abt die Annahme erlaubt,
    kann er immer noch verfügen, wem es zu geben ist.
  4. Dann sei der Bruder, dem es geschickt wurde, nicht traurig,
    damit dem Teufel kein Raum gegeben werde.
  5. Wer sich etwas anderes herausnimmt,
    den treffe die von der regel vorgesehene Strafe.

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53 – Die Aufnahme der Gäste

wird gelesen am:
04. April
04. August
04. Dezember

  1. Alle Fremden, die kommen,
    sollen aufgenommen werden wie Christus;
    denn er wird sagen:
    „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“
  2. Allen erweise man die angemessene Ehre,
    besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.
  3. Sobald ein Gast gemeldet wird,
    sollen ihm daher der Obere und die Brüder
    voll dienstbereiter Liebe entgegeneilen.
  4. Zuerst sollen sie miteinander beten
    und dann als Zeichen der Gemeinschaft
    den Friedenskuss austauschen.
  5. Diesen Friedenskuss darf man wegen der Täuschungen
    des Teufels erst nach dem Gebet geben.
  6. Allen Gästen begegne man
    bei der Begrüßung und beim Abschied in tiefster Demut:
  7. man verneige sich, werfe sich ganz zu Boden
    und verehre so in ihnen Christus,
    der in Wahrheit aufgenommen wird.
  8. Hat man die Gäste aufgenommen,
    nehme man sie mit zum Gebet;
    dann setze sich der Obere zu ihnen
    oder ein Bruder, dem er es aufträgt.
  9. Man lese dem Gast die Weisung Gottes vor,
    um ihn im Glauben zu erbauen;
    dann nehme man sich mit aller Aufmerksamkeit
    gastfreundlich seiner an.
  10. Das Fasten breche der Obere dem Gast zuliebe,
    nur nicht an einem allgemein vorgeschriebenen Fasttag,
    der eingehalten werden muss.
  11. Die Brüder aber fasten wie gewohnt.
  12. Der Abt gieße den Gästen Wasser über die Hände;
  13. Abt und Brüder zusammen sollen allen Gästen
    die Füße waschen.
  14. Nach der Fußwaschung beten sie den Psalmvers:
    „Wir haben, o Gott, deine Barmherzigkeit aufgenommen
    inmitten deines Tempels.“
  15. Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Pilgern
    zeige man Eifer und Sorge,
    denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen.
    Das Auftreten der Reichen
    verschafft sich ja von selbst Beachtung.

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